Alleinruhelage

Eva Menasse
Alleinruhelage
Kiepenheuer & Witsch 2026
224 Seiten
ISBN 978-3-462-00262-1
Was für ein wundervolles Buch!
Es beginnt mit einer direkten Ansage der Ich-Erzählerin an ihr Wochenendhaus – „Haus, ich verkaufe dich.“ – und von diesem ersten Satz an war ich mittendrin. Nach zwanzig Jahren steht der Verkauf des Hauses an einem See in der ehemaligen DDR an. Gekauft in der Nachwendezeit, zusammen mit dem inzwischen geschiedenen Mann. Mit diesem Abschied kommt so ziemlich alles wieder hoch: die Ehe und ihr Ende, die Kinder, die Renovierungen, die Nachbarn, aber auch die eigene Kindheit in Wien, die Eltern, der Tennisklub des Vaters sowie Tante und Onkel.
Das klingt nach viel für gerade mal 200 Seiten – ist es auch, und trotzdem wirkt nichts überladen. Menasse springt zwischen den Zeiten und Themen hin und her, aber sie verliert nie den Faden. Sie kommt immer wieder zurück zum Haus, zum See, zum Ausgangspunkt.
Und dann ist da noch der Ton, den ich kaum zu fassen kriege: sehr genau, sehr bildreich, mit einem Humor, der nichts verharmlost und trotzdem nie bösartig wird. Selbst die unangenehmsten Figuren und Situationen – und davon gibt es einige – liest man bei ihr mit einer Leichtigkeit, ohne dass etwas beschönigt wird. Nebenbei, fast beiläufig, verhandelt sie den Ost-West-Konflikt: Sie als Wienerin ist für viele Menschen vor Ort erst einmal ein Störfaktor, und das bleibt sie für manche bis zum Schluss. Dazu kommen Themen wie Ghosting, Selbstvertrauen und schwierige Paarbeziehungen mit und ohne Kinder – kurz: das Leben, wie es überall passiert. Nur eben selten so gut erzählt.
Für mich eines der besten Bücher des Jahres!


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