Verschlagwortet: deprimierend

Wenn man in Belarus 10 Jahre verschläft

Cover Der ehemalige Sohn von Sasha Filipenko

Sasha Filipenko
Der ehemalige Sohn
Aus dem Russischen von Ruth Altenhofer
Diogenes 2021
318 Seiten
ISBN 978-3-257-07156-6

Im Belarus des Jahres 1999 gerät der 16jährige Franzisk in eine Massenpanik und fällt danach ins Koma. Zehn Jahre vergehen, in denen lediglich seine Großmutter fest daran glaubt, dass er wieder aufwachen wird und ihn gegen alle Widerstände am Leben hält. Und tatsächlich, kurz nach ihrem Tod erwacht Franzisk, nunmehr 26 Jahre alt, in einem Land, in dem Alles so ist wie zuvor, nur ein bisschen schlimmer.…

Steckt nicht in Vielen von uns ein bisschen Delaney?

Cover América von T.C. Boyle

T.C. Boyle
América
Deutsch von Werner Richter
dtv 2006
388 Seiten
ISBN 978-3-423-20935-9

1995 wurde dieses Buch geschrieben, doch würde man es heute veröffentlichen, hätte vermutlich niemand Zweifel daran, dass es ein höchst aktuelles Werk ist. Denn nichts, absolut nichts hat sich seitdem verändert. Stattdessen existiert dieses beschriebene Szenario mittlerweile ebenso bei uns, wenn auch vielleicht noch nicht in dieser extremen Form.

Boyle beschreibt in einem Zeitraum eines halben Jahres die Leben zweier Familien, die unterschiedlicher kaum sein könnten, obwohl die räumliche Distanz zwischen ihnen nur gering ist.…

Kanadas verschwundene und ermordete Frauen

Cover Frostmond von Frauke Buchholz

Frauke Buchholz
Frostmond
Pendragon 2021
283 Seiten
ISBN 978-3-86532-723-9

In den letzten 30 Jahren sind mehr als 1.200 indigene Frauen verschwunden oder ermordet worden, wobei die Dunkelziffer sehr wahrscheinlich viel höher liegt. Von einigen dieser Verbrechen handelt das Buch Frostmond, in dem gleich zu Beginn in Montreal die Leiche einer 15jährigen Indianerin gefunden wird. Aufgrund der vielen ungelösten Morde gibt es großen Druck auch von Seiten der Presse, sodass der Profiler Garner aus dem 6.000 km entfernten Regina hinzugezogen wird.…

Wie Frauen leben – Heute!

Cover Kim JiYoung, geboren 1992 von Cho Nam-Joo

Cho Nam-Joo
Kim JiYoung, Geboren 1982
Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee
Kiepenheuer & Witsch 2021
207 Seiten
ISBN 978-3-462-05328-9

Kim JiYoung ist eine junge Frau in Seoul, studiert, glücklich verheiratet und Mutter eines kleinen Mädchens – eigentlich ein perfektes Leben. Eigentlich … Denn plötzlich verwandelt sie sich im Beisein ihres Mannes in andere Personen: ihre Mutter, eine frühere Freundin, immer Frauen aus ihrem näheren Umfeld.

Cho Nam-Joo erzählt sachlich und neutral die Lebensgeschichte JiYoungs, die sich vermutlich nur wenig von der anderer Südkoreanerinnen unterscheidet.…

Die Frauen von Kamtschatka

Cover Das Verschwinden der Erde von Julia Philipps

Julia Phillips
Das Verschwinden der Erde
Aus dem amerikanischen Englisch von Pociao und Roberto de Hollanda
dtv 2021
374 Seiten
ISBN 978-3-423-28258-1

Kamtschatka ist als weitgehend unberührtes Naturparadies bekannt, in dem Besuchende Vulkane, Geysire, Braunbären und mehr entdecken können. Doch wie die Menschen in diesem dünn besiedelten Teil Russlands (die Halbinsel ist etwas größer als Deutschland mit ca. 310.000 dort Lebenden verschiedener Ethnien) leben, dürfte weitestgehend unbekannt sein.
Julia Phillips erzählt in monatlichen Abständen in 13 Geschichten von Frauen und Mädchen, die in irgendeiner Form mit dem Verschwinden zweier kleiner Mädchen in Berührung gekommen sind; sei es durch Pressemitteilungen, Verwandtenberichte oder ähnlichem.…

Von wegen Streulicht – alles Grau in Grau

Cover Streulicht von Deniz Ohde

Deniz Ohde
Streulicht
Suhrkamp 2020
279 Seiten
ISBN 978-3-518-42963-1

Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen. Die Lebensgeschichte der Protagonistin, die in einer bildungsfernen Arbeiterfamilie aufwächst, in der der Vater Alkoholiker ist und von fortwährender Sammelwut beherrscht wird, ist grandios beschrieben. Deniz Ohde, von deren eigenen Erfahrungen sicherlich viel in dieses Buch eingeflossen ist, schildert so überzeugend dieses Milieu, dass man kaum glauben kann, dass dies ein fiktiver Roman ist. Der Vater, ‚vom selben Schlag‘ wie der Großvater, der im selben Haus lebt, kennt nur Pflichten – ‚das Wort Wunsch war verboten‘ ebenso wie Gefühle, die zu den Frauen gehörten.…