Verschlagwortet: witzig

Ein wunderbarer Comic für Gross und Klein!

Cover Manno! von Anke Kuhl

Anke Kuhl
Manno!
Klett Kinderbuch 2020
136 Seiten
ISBN 978-3-95470-218-3

Anke Kuhl, Illustratorin vieler wunderbarer und schöner Kinderbücher, hat mit ‚MANNO!‘ einen herrlichen Comic über ihre eigene Kindheit verfasst. Aufgewachsen in den 70ern gemeinsam mit einer etwas älteren Schwester, wird hier ein Stück (fast) heile Welt heraufbeschworen, die nur selten durch mittlere und kleine Katastrophen ins Wanken gebracht wird. Und selbst die sind (zumindest im Rückblick) häufig genug Anlass zum Lachen (ich schreibe da nur: Freischwimmer 😁).

Sehr realitätsnah wird das Familienleben mit der großen Schwester in 18 kleinen Geschichten beschrieben, das meist harmonisch wirkt und unter anderem durch gelegentlichen Geschwisterzoff gestört wird, der jedoch nicht lange anhält (herrlich: der Klobürstenkampf).

Obwohl Anke Kuhl ihre Figuren nicht allzu detailliert zeichnet, sind sie unverwechselbar. Hingegen sind die einzelnen Bilder voller Details, die typisch waren für die damalige Zeit: das Wählscheibentelefon im Krankenhaus, die Fensterkurbel im Auto, die Wohnzimmereinrichtung. Erwachsene im ähnlichen Alter wie die Autorin werden Vieles vermutlich wiedererkennen und in Erinnerungen schwelgen 😉.

Aber auch Kinder werden mit den Geschichten sicherlich ihr Vergnügen haben. Vieles von dem, was Anke damals erlebte, dürfte ihnen auch bekannt sein: die Angst vor großen Hunden, die Liebe zu den Großeltern, der Streit mit der Schwester. Dazu die fröhlichen bunten Bilder, die einige der nicht so schönen Dinge so überzogen darstellen, dass sie schon wieder lustig wirken und den Geschichten ihren Schrecken nehmen.

Ein durchweg richtig schönes Buch zum immer wieder Anschauen für Jung und Alt!

Viel Flora und Fauna – und mittendrin ein untypischer britischer Oxford-Gelehrter

Cover Redmonds Dschungelbuch von Redmond O'Hanlon

Redmond O’Hanlon
Redmonds Dschungelbuch

Aus dem Englischen von Meinhard Büning
dtv 1998
410 Seiten
ISBN 978-3-423-08456-7

Um ehrlich zu sein: Ich hatte mir dieses Buch anders vorgestellt. Beeinflusst durch die ersten Seiten und den Umschlagtext erwartete ich ein durchweg zum Brüllen komisches Buch mit ein bisschen Dschungel drumrum. Stattdessen endloser Dschungel und noch mehr Vögel mit witzigen Stellen zwischendrin. Was die Qualität dieses Buches aber nicht mindert.
Redmond, ein britischer Oxford-Gelehrter startet eine Expedition in Venezuela, um die bisher noch nicht entdeckte Flussverbindung zwischen Rio Negro und dem Orinoko zu finden. Es begleitet ihn sein Freund Simon und mehrere Einheimische, die ihm ein venezolanischer Abenteurer vermittelt hat. Nachdem das Unternehmen nach vielen Strapazen scheitert, entschließt Redmond sich auf die Suche nach den Yanomami zu machen, die größte unberührte Indianergruppe im Regenwald, die durch ihre enorme Aggressivität berühmt-berüchtigt ist.

Für einen britischen Gelehrten, dazu noch aus Oxford, ist das Buch vermutlich recht ungewöhnlich. Keine Spur von Vornehmheit, Snobismus oder ähnlichen Eigenarten, die gemäß diverser Vorurteile die Menschen der britischen Inseln auszeichnen. Statt dessen rülpst, scheisst und rotzt Redmond mit den Einheimischen um die Wette, sehr zum Entsetzen seines Freundes Simon, der sich als der wahre Snob entpuppt. Entnervt und frustriert von den Qualen der Fahrt (Myriaden von bissigen kleinen schwarzen Fliegen, Delikatessen wie Piranhas, Tapirspeck, Affenschenkel usw., ständig kreischenden und krakeelenden Vögeln und Fröschen u.v.m.) bricht dieser die Reise nach dem ersten Teil ab.

Redmond selbst ist mit Leib und Seele dabei, für ihn erfüllt sich mit dieser Expedition ein Kindheitstraum. Er beschreibt mit unverhohlener Begeisterung alles, was ihm über den Weg kreucht und fleucht und wer etwas Interesse für Flora und Fauna aufbringt, wird dieses Buch mit Freude lesen. Die dazwischen immer wieder eingebundenen Auszüge historischer Reiseberichte geben zusätzliche Informationen.

All dies, zusammen mit den amüsanten Schilderungen Redmonds, ergeben ein rundum gelungenes Buch aus dem man zudem noch eine Menge lernen kann. Vier Punkte gibt es deshalb ’nur‘, weil es für mich persönlich etwas zu viel Flora und Fauna war.