Die Guten und die Toten

Kim Koplin
Die Guten und die Toten
Suhrkamp 2023
255 Seiten
ISBN 978-3-518-47312-2
Berlin, Nacht, Asphalt. Kim Koplins „Debüt“roman (Kim Koplin ist ein Pseudonym von jemandem, die/der schon mehrere Bücher veröffentlicht hat) ist durch und durch Noir – konsequent und ohne Kompromisse, und spielt in einem Berlin, das alles andere als gemütlich ist.
Was mich gepackt hat, war Nihal. Anwärterin bei der Mordkommission, Olympiakandidatin im Boxen, und eine Frau, die sich Gefühle schlicht verbietet. Schwäche? Kommt nicht in Frage. Die einzige Ausnahme ist ihr Chef – dem gegenüber hegt sie so etwas wie echtes Vertrauen, fast schon väterlich, und der Gedanke, ihn zu enttäuschen, ist ein starker Antrieb. Das hat mich überrascht. Bei einer Figur, die sonst eine emotionale Mauer nach der anderen hochzieht, trifft diese eine Bindung umso mehr.
Und dann ist da noch Saad. Geheimnisvoll, mit einer dreijährigen Tochter, die er während seiner Nachtschichten im Parkhaus einfach im Pförtnerhäuschen schlafen lässt, während er wacht – ein Bild, das sich einbrennt. Zwischen ihm und Nihal knistert es von Anfang an, aber Koplin lässt das sehr klug im Ungefähren.
Mehrere Handlungsstränge wechseln sich in raschem Rhythmus ab, Korruption, Waffenschmuggel, ein Toter im Kofferraum eines Staatssekretärs, der wirklich kein Sympathieträger ist – der Raum wird erst langsam überschaubar. Aber wer durchhält, wird belohnt. Das Alles fügt sich am Ende in einem Showdown zusammen, der mich ehrlich gesagt etwas überrumpelt hat. Fast schon Splatter-Territorium. Ich hatte Spaß.
Und das Ende? Ließ mich mit einem halbwegs guten Gefühl zurück – und mit dem deutlichen Hinweis, dass das hier noch nicht alles war. Die Fortsetzung ist angekündigt. Ich bin dabei.
Krimibestenliste Mai und Juni 2023


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