Schattengrünes Tal

Kristina Hauff
Schattengrünes Tal
hanserblau 2025
301 Seiten
ISBN 978-3-446-284285-9
Im Hotel „Zum alten Forsthaus“ ihres Vaters, das seine besten Jahre bereits hinter sich hat, irgendwo im Nordschwarzwald, begegnet Lisa einer Frau, die völlig verloren wirkt. Typisch Lisa: Sie bietet sofort ihre Hilfe an. Die Fremde – Daniela – nimmt dankend an, findet sich blitzschnell in der Dorfgemeinschaft zurecht und blüht regelrecht auf. Doch je tiefer sie in Lisas Leben eindringt, desto mehr wenden sich enge Vertraute von ihr ab – am Ende sogar ihr Mann. Als der Herbst ins Schwarzwaldtal zieht und die Schatten länger werden, ahnt Lisa, dass ihre Welt gerade auseinanderbricht.
Zu Beginn hatte ich meine Schwierigkeiten – nicht mit der Geschichte, sondern mit der Hauptfigur. Lisa ist Mitte vierzig, hat studiert, eine eigene Familie und ein eigenes Leben. Trotzdem lässt sie sich von ihrem Vater auf der Nase herumtanzen: Sie schlägt eine Beförderung aus, macht für ihn die Buchführung zu miesem Lohn und schluckt seine Sticheleien klaglos. Im Beisein dieses egozentrischen, patriarchalischen Egomanen verwandelt sie sich in ein schüchternes Kind, das es ihm recht machen will – und es nie schafft. Gegen Ende liefert das Buch zwar Erklärungen dafür, so richtig plausibel wird dieses Extremverhalten trotzdem nicht.
Abgesehen davon ist die Geschichte durchaus packend. Zwar ist nach der Hälfte schon klar, wohin die Reise geht, aber ich wollte trotzdem unbedingt wissen, wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht und wie das Ganze ausgeht. Denn neben Danielas Geheimnis geht es hier vor allem ums Schweigen: ums Verschweigen, Verdrängen und die fatalen Folgen, die daraus entstehen können.
Was mir am Ende allerdings fehlte, war die Auflösung um Lisas Eltern: Was genau war der Grund für ihre Trennung? Seitens Margarete gibt es eine sehr mysteriöse Andeutung, aber leider keine Erklärung dazu. Dass andere Erzählstränge offenbleiben, fand ich völlig in Ordnung. Wenn aber eine so deutliche Fährte gelegt wird, sollte darauf bitte auch etwas folgen.


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