Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft

Fiona Sironic
Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Ecco 2024
206 Seiten
ISBN 978-3-7530-0106-7
Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was mich bei diesem Titel erwartet – aber definitiv nicht eine so leise und gleichzeitig so beklemmende Dystopie. Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft, vielleicht 20 oder 30 Jahre von jetzt entfernt, in der sich das Leben der Menschen dramatisch verschlechtert hat: extreme Hitze, brennende Wälder, Wasserknappheit, rationierter Strom, frisches Obst und Gemüse als Luxusgut.
Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter in einer Hütte am Waldrand, um der aufgeheizten Stadt zu entkommen. In Streams verfolgt sie die Mitschülerin Maja und deren kleine Schwester Merle, die im Wald Explosionen auslösen, um alte Festplatten zu zerstören – digitale Spuren ihrer Kindheit, die als Töchter zweier berühmter Momfluencerinnen komplett öffentlich stattgefunden hat.
Als Era die beiden trifft, verliebt sie sich in Maja. Während Maja und Merle löschen, zerstören und vergessen wollen, sammelt Era Wissen über aussterbende Vogelarten und schreibt alles auf Papier – in der Hoffnung, wenigstens irgendetwas vor dem Verschwinden zu bewahren.
Doch im Kern geht es Beiden um dasselbe: Wie behält man die Kontrolle über das eigene Leben, wenn die Welt sich auflöst? Wie entscheidet man, was erinnert und was vergessen wird?
Der Roman erzählt mit viel Internet-Vokabular, Zeitsprüngen und einer sehr ruhigen, fast spröden Atmosphäre. Er ist weniger klassische Dystopie als ein melancholischer Kommentar zu unserer Gegenwart: zu Social Media, Klimakrise und der Angst, spurlos zu verschwinden.


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