Final Show

Dirk Schmidt
Final Show
Suhrkamp 2026
268 Seiten
ISBN 978-3518-47563-8
Crrowl war mal groß, ist jetzt vor allem alt und will es trotzdem nochmal wissen: Reunion-Tournee durch Osteuropa. Mit an Bord ist Lucy als Social-Media-Küken – denn „Internet“ ist für die Altrocker ungefähr so vertraut wie eine Steuererklärung. Doch schon beim ersten Konzert liegt ein Bandmitglied tot im Backstagebereich. Wie sich herausstellt, ist das nicht die erste Leiche in der Bandgeschichte. Lucy fängt an zu graben. Und wer in verkrusteten Strukturen wühlt, merkt schnell: Hier hat absolut jeder etwas zu verbergen.
„Final Show“ ist dabei weniger klassischer Whodunnit als Milieustudie aus dem Umfeld einer Rockband. Nach und nach wird die Vergangenheit von Crrowl aufgedröselt und dabei zeigt sich ein ziemlich düsteres Muster: Wer innerhalb der Band zu große Ambitionen entwickelte, lebte offenbar gefährlich.
Im Mittelpunkt stehen Anerkennung, Respekt und Wertschätzung – beziehungsweise deren Fehlen. Wer sich lange genug übergangen und nicht ernst genommen fühlt, entwickelt irgendwann eine Menge Wut und Frust. Bei Crrowl nimmt das dann allerdings ziemlich drastische Formen an.
Dass das Buch ursprünglich ein Hörspiel mit dem Titel „Crrowl“ war, merkt man deutlich. Es wird sehr viel geredet, während Beschreibungen eher sparsam eingesetzt werden. Das macht die Geschichte zwar flott und unterhaltsam, sorgt aber auch dafür, dass die Figuren etwas blass bleiben. Man lernt sie hauptsächlich über ihre Dialoge kennen.
Interessant fand ich dafür den Blick hinter die Kulissen einer Rockband auf Tour: Egos, alte Konflikte, Konkurrenz und jede Menge unausgesprochener Dinge. Das hat durchaus seinen Reiz.
Ein Thriller, wie es auf dem Cover steht, ist „Final Show“ für mich allerdings nicht. Dafür fehlt es an Spannung und Nervenkitzel. Als Krimi mit Rockband-Milieu funktioniert das Buch aber ganz gut – und kurzweilig ist es allemal.


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