Eines jungen Mannes Reise in die Nacht

Håkan Nesser
Eines jungen Mannes Reise in die Nacht
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
btb 2025
351 Seiten
ISBN 978-3-442-76309-2
Eine schwedische Kleinstadt, Mai 2022. Der 52-jährige Sportlehrer Allan Fremling lässt sich ausnahmsweise eine Pizza liefern – und öffnet damit seinem Mörder die Tür. Drei Schüsse. Kurz darauf stirbt ein 29-jähriger Fitnesstrainer auf dieselbe Weise. Die Polizei tappt im Dunkeln, nur eines scheint sicher: Bandenkriminalität scheidet aus. Aber war Fremling vielleicht an der Schule unbeliebt?
Die Lesenden wissen schon früh, wer der Täter ist: einsam, intelligent, gemobbt. Doch das eigentliche Thema ist größer – und älter: Ist es jemals moralisch gerechtfertigt zu töten? Trump, Putin, Erdogan? Der Täter denkt darüber nach, Kommissar Barbarotti auch. Nesser verpackt diese Fragen geschickt in einen luftig-lockeren Krimi mit viel Dialogwitz und echten Denkanstößen – ohne den Zeigefinger zu heben.
Im Hintergrund die allseits bekannten Schrecken: der Krieg in der Ukraine, „testosterongesättigte Clowns“ in der Weltpolitik, Long Covid. Vertraute Gesichter aus frühreren Barbarotti-Büchern kämpfen jeder auf seine Weise damit, Barbarotti überlegt, einfach in den Ruhestand zu gehen. Und doch versinkt der Roman nicht in Schwermut – der Ton bleibt liebevoll ironisch, fast gelassen, was die Verlorenheit der Figuren umso spürbarer macht. Dazu finden sich stimmige psychologische Hintergründe, philosophische Fragen und eine berührend erzählte erste große Liebe.
Doch da der Täter am Ende eine verhängnisvolle Entscheidung trifft, endet dieser kluge, vielschichtige Krimi in stiller Tragik.


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