Querfeldein

Alex Capus
Querfeldein
Hanser 2026
286 Seiten
ISBN 978-3-446-28564-4
Im Zentrum steht zu Beginn Arnold, der Anfang des 20. Jahrhunderts merkt, dass er für das klassische Arbeitsleben nicht gemacht ist. Anders als sein Vater, der in einer Fabrik schuftet, verdingt er sich immer nur für jeweils hundert Tage: als Nachtwächter, Erntehelfer, auf dem Bau und so weiter. Bis er im Kasino einen ordentlichen Batzen Geld gewinnt, solide bleibt und beschließt, im kleinen Grenzdorf Ramsen einen Gasthof zu eröffnen. Das Geschäft läuft gut – nur die Liebe lässt auf sich warten, bis eines Tages eine junge Frau namens Betty hoch zu Ross auftaucht. Es ist Liebe auf den ersten Blick; die beiden heiraten, und acht Kinder kommen zur Welt. Eines davon ist Clara, die Älteste, die sich 1933 in Hermann verliebt – einen Schmuggler, der praktisch sofort zur Familie gehört. Als er eines Nachts von Nazis aus Singen verschleppt wird, wird daraus fast eine kleine Staatsaffäre.
Das Verrückte: Die Geschichte um Hermann hat sich wirklich zugetragen, und den Gasthof „Zur Moskau“ gab es tatsächlich – Capus hat sogar erhaltene Originaldokumente ins Buch eingearbeitet. Die Figuren selbst sind wohl größtenteils erfunden, aber so grandios lebendig gezeichnet, dass ich sie sofort ins Herz geschlossen habe: Arnold in seiner Bodenständigkeit, Betty mit ihrem Freiheitsdrang, Clara, die noch unkonventioneller ist als ihre Mutter, und Hermann, der trotz seiner Jugend eine Ruhe ausstrahlt, die viele Alte nicht hinbekommen. Dazwischen gibt es immer wieder kurze Einschübe zu Nebenfiguren, mit ebenso viel Zuneigung erzählt – selbst die unangenehmsten Zeitgenossen werden nie verunglimpft, sondern sachlich und nüchtern beschrieben.
Und dazu dieser leise, warme Humor, der mich immer wieder zum Grinsen gebracht hat. Ein rundum liebenswertes Buch – ich bin ziemlich begeistert, wie man vielleicht merkt 😉


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