Das Licht zwischen den Meeren

M. L. Stedman
Das Licht zwischen den Meeren
Aus dem Englischen von Karin Dufner
Limes 2013
445 Seiten
ISBN 978-3-8090-2619-8
Dieses Buch ist wunderschön und gleichzeitig todtraurig. Geht nicht? Doch, hier schon.
Wir sind im Jahr 1926. Tom und Isabel leben auf der abgelegenen Insel Janus Rock vor der australischen Küste, wo Tom als Leuchtturmwärter arbeitet. Ihr Glück könnte fast vollkommen sein – es fehlt nur noch ein Kind. Doch Isabel hat bereits zwei Fehlgeburten und eine Totgeburt erlebt und ist am Boden zerstört. Da wird eines Tages ein kleines Boot an die Insel gespült. Darin: ein toter Mann und ein lebendiges, unverletztes Baby.
Isabel sieht darin einen Wink des Schicksals und bringt ihren zunächst widerstrebenden Mann dazu, den Fund nicht zu melden. Stattdessen geben sie das Baby als ihr eigenes aus. Während Isabel überglücklich ist, plagen Tom zunehmend Zweifel. Und die werden noch größer, als sie zwei Jahre später erstmals wieder ans Festland kommen und erfahren, dass ihre Entscheidung das Leben eines anderen Menschen zerstört hat.
Das Buch ist echt ganz schön starker Tobak. Denn was sich daraus entwickelt, ist ein Drama, bei dem es kaum ein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt. Irgendwie konnte ich beide Seiten verstehen. Und wenn ich mich beim Lesen mal stärker auf die eine Seite geschlagen hatte, schwang das Pendel wenig später wieder in die andere Richtung.
Eine richtig dramatische Geschichte also, bei der es eigentlich nur Verlierer und Verliererinnen gibt und man sich irgendwann fragt, wer eigentlich die schlimmeren Verletzungen davongetragen hat.
Für diese Geschichte hat die Autorin eine sehr poetische Sprache gewählt, die meistens wirklich schön ist, mir an manchen Stellen aber etwas zu viel des Guten war. Es ist ohnehin tragisch, dramatisch und traurig – da muss das meiner Meinung nach nicht immer noch zusätzlich sprachlich unterstrichen werden.
Alles in allem aber ein Buch, das zeigt, wie verdammt schwierig es manchmal sein kann, das Richtige zu tun. Gerade dann, wenn man aus Liebe glaubt, genau das Richtige tun zu müssen.


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