Der Buchclub der eigensinnigen Frauen

Marie Bostwick
Der Buchclub der eigensinnigen Frauen
Aus dem amerikanischen Englisch von Sonja Hagemann
Gutkind 2026
480 Seiten
ISBN 978-3-98941-152-4
Virginia, 1963: eine Bilderbuch-Vorstadtsiedlung, gepflegte Häuser, gepflegte Vorgärten und ganz gewiss auch ziemlich gepflegte Vorstellungen davon, wie das Leben einer Frau auszusehen hat. Margaret Ryan lebt mit ihrem Mann Walt und ihren drei Kindern in einem schönen Haus – eigentlich könnte alles bestens sein. Bis Charlotte Gustafson in die Nachbarschaft zieht und so gar nicht in das Bild der treusorgenden Vorstadthausfrau passen will.
Margaret gründet einen Buchclub, dem neben Charlotte noch Vivian und Bitsy angehören. Vier Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Die 33-jährige Margaret schreibt leidenschaftlich gern, Vivian ist 41, hat sechs Kinder und war im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester tätig. Charlotte, 39, hat vier Kinder und träumt davon, als Künstlerin entdeckt zu werden. Und dann ist da noch die 23-jährige Bitsy, pferdebegeistert und mit einem deutlich älteren Mann verheiratet.
Was sie verbindet, ist weniger ihre Lebenssituation als die Erwartung ihrer Umwelt: Frauen sind Ehefrauen und Mütter, kümmern sich um Haushalt und Familie und stellen ihre eigenen Wünsche besser hinten an. Dass die eine oder andere damit nicht ganz glücklich ist, darf man selbstverständlich gern für sich behalten.
Den entscheidenden Anstoß gibt ausgerechnet ein Buch: „Der Weiblichkeitswahn“ von Betty Friedan. Die Lektüre bringt die vier Frauen dazu, ihre bisherigen Vorstellungen vom eigenen Leben zu hinterfragen. Mit jedem weiteren Buchclub-Treffen, mit jeder Diskussion und vor allem mit ihrer wachsenden Freundschaft werden sie selbstbewusster darin, eigene Entscheidungen zu treffen und herauszufinden, was sie eigentlich wollen – unabhängig davon, was andere für richtig halten.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die vier Frauen tatsächlich sehr unterschiedliche Hintergründe und Lebensentwürfe haben. Dadurch entwickelt sich ihre Freundschaft nicht nach dem Motto „vier Frauen, ein Problem“, sondern jede von ihnen hat ihre ganz eigenen Gründe, mit ihrem bisherigen Leben zu hadern. Und jede muss auf ihre Weise herausfinden, was ein erfülltes Leben für sie bedeutet.
Beim Lesen musste ich allerdings immer wieder den Kopf schütteln. Die Handlung spielt gerade einmal gut 60 Jahre zurück und trotzdem wirkt manches unglaublich weit entfernt: Frauen konnten nicht selbstverständlich ein eigenes Bankkonto eröffnen, bei der Pille war die Zustimmung des Ehemannes erforderlich, die meisten Studiengänge standen ihnen nicht offen und selbst bei der Wahl eines Musikinstruments konnte das Geschlecht eine Rolle spielen – eine Posaune für ein Mädchen? Aber bitte!
Gerade deshalb fand ich es interessant, wie deutlich der Roman zeigt, dass gesellschaftliche Erwartungen nicht einfach dadurch verschwinden, dass sie niemand ausdrücklich ausspricht. Vieles wird als selbstverständlich verkauft, bis jemand anfängt zu fragen, warum eigentlich. Und genau das tun die vier Frauen zunehmend.
Nicht ganz so überzeugt hat mich allerdings der Schreibstil. Schlecht geschrieben ist das Buch keineswegs, aber mir wurde vieles einfach zu ausführlich beschrieben. Räume, Kleidung, Personen, Situationen – ich hatte gelegentlich das Gefühl, dass mir wirklich alles bis ins kleinste Detail erklärt werden musste. Für meine eigene Vorstellungskraft blieb da manchmal erstaunlich wenig übrig.
Und dann wäre da noch das Ende. Sagen wir es so: Marie Bostwick lässt wirklich keine Gelegenheit aus, sämtliche Fäden hübsch miteinander zu verknüpfen. Am Ende ist ziemlich viel sehr, sehr gut gelaufen – für meinen Geschmack dann doch eine Spur zu hollywoodmäßig und fast schon kitschig.
Trotzdem hat mich der Roman insgesamt gut unterhalten, und gerade die Entwicklung der vier Frauen fand ich lesenswert.


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