Yesteryear

Caro Claire Burke
Yesteryear
Aus dem Englischen von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn
Heyne 2026
464 Seiten
ISBN 978-3-453-27535-5
Erzählt wird die Geschichte von Natalie Heller Mills, die zusammen mit ihrer Schwester bei ihrer alleinerziehenden, religiösen Mutter aufwächst. Ein Stipendium bringt sie an ein renommiertes Bostoner College, doch dort fühlt sie sich unterfordert und das laute, oberflächliche neue Leben ist ein Schock für sie. Bald lernt sie Caleb kennen. Er stammt aus einem reichem Elternhaus und ist eher schlicht gestrickt – seinen selbstverständlichen Umgang mit der Gesellschaft verwechselt sie mit Intellekt. Man heiratet. Da Caleb keinerlei beruflichen Ehrgeiz entwickelt, übernimmt Natalie die Initiative. Ihr Schwiegervater kauft dem Paar eine Farm, und Natalie baut sich als Tradwife-Influencerin eine Existenz mit Millionen Followern auf. Bis sie eines Morgens aufwacht und nichts mehr ist, wie es war: Es ist zwar noch immer ihre Farm, doch der Zustand entspricht dem 19. Jahrhundert – kein Strom, kein fließendes Wasser, keinerlei Annehmlichkeiten. Ihre vorbildliche Rolle als Haus- und Ehefrau wird zum puren Albtraum.
Lange habe ich gerätselt, was hier eigentlich passiert – genau wie Natalie selbst. Die Auflösung kam überraschend und ist doch stimmig, sämtliche „Merkwürdigkeiten“ finden eine logische Erklärung.
Aber mindestens so genial wie die Story selbst ist das, was darüber hinaus mitschwingt: dass Frauen trotz aller Emanzipation noch immer die Verliererinnen sind. Natalie versucht, den Erwartungen an eine demütige, gute Mutter und Ehefrau gerecht zu werden – was meist heißt, klein und dumm zu bleiben. Gleichzeitig ist sie klüger und ehrgeiziger als die meisten um sie herum – was für eine Frau zum Problem wird, für einen Mann aber selbstverständlich wäre. Dieser Widerspruch bringt sie fast um den Verstand, und genau darin liegt die Stärke des Buches: Es bündelt gesellschaftliche Probleme in einer einzigen Figur, ohne dabei belehrend zu wirken. Spannend, unterhaltsam und zum Nachdenken anregend – ein wirklich klasse Buch.
Auf „Neudeutsch“ handelt es sich um „Weird Girl Fiction“, verbunden mit Elementen eines psychologischen Thrillers – eine bissige Satire darüber, wie soziale Medien eine Lüge so tief verankern können, dass aus dem „Zuhause“ ein Gefängnis wird. Kein Wunder, dass Anne Hathaway sich bereits die Filmrechte gesichert hat, und sowohl die Hauptrolle spielen als auch produzieren wird.


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