Kala

Colin Walsh
Kala
Aus dem irischen Englisch von Andrea O’Brien
Gutkind 2026
511 Seiten
ISBN 978-3-98941-130-2
Colin Walshs Debütroman beginnt mit Gedanken über Zeit und Ort – darüber, wie Erinnerung nie wirklich verschwindet und wie Orte uns prägen, selbst wenn wir sie verlassen. „Kala“ ist ein literarischer Thriller, der weniger von der Aufklärung eines Verbrechens lebt als von der unheimlichen Macht der Vergangenheit.
Im Sommer 2003 genießen sechs fünfzehnjährige Freunde in der irischen Küstenstadt Kinlough ihren scheinbar endlosen Sommer – bis Katherine „Kala“ Lanann verschwindet und nicht gefunden wird. Fünfzehn Jahre später, kurz nachdem man Kalas Leiche entdeckte, treffen sich drei von ihnen in Kinlough wieder: Mush, der seine Narben hinter einem stillen Leben verbirgt; Helen, eine Journalistin, die ihrer Herkunft nie ganz entkommen ist; und Joe, ein gefeierter Rockstar auf der Flucht vor sich selbst.
In wechselnden Ich-Perspektiven entfaltet sich ein Geflecht aus Erinnerungen, Schuld und Verdrängung. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich, während die Figuren mit dem „Anderen Ort“ ringen – jenem inneren Rückzugsraum, in dem Wahrheit und Fantasie verschwimmen. Als schließlich neue Hinweise ans Licht kommen, zwingt die Wahrheit sie, sich dem zu stellen, was sie all die Jahre verdrängt haben.
Trotz kleiner Zufälle in der Handlung überzeugt der Roman durch seine dichte Atmosphäre, seine lebendigen Figuren und die eindringliche Darstellung der zerstörerischen und zugleich unausweichlichen Kraft von Erinnerung.Die fragmentierten Perspektiven greifen ineinander wie Zahnräder – bis zur finalen Enthüllung, die mehr kostet als nur Illusionen.
„Kala“ ist ein literarischer Thriller, der fast weniger von der Frage lebt, wer es war, als davon, was Erinnerungen mit uns machen – und was wir bereit sind, nicht wissen zu wollen.


Neueste Kommentare