Der Retter

Mathijs Deen
Der Retter
Liewe Cupido ermittelt #3
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
mare 2024
380 Seiten
ISBN 978-3-69094-003-0
Manchmal ist das Schwierigste an einem Buch, darüber zu schreiben – nicht weil es schlecht war, sondern weil das, was es besonders macht, sich so schwer in Worte fassen lässt. „Der Retter“ ist so ein Fall.
Mathijs Deen schreibt, als hätte er alle Zeit der Welt – und schenkt sie uns beim Lesen. Sein dritter Fall für Liewe Cupido, den wortkargsten Kommissar der deutschen Bundespolizei See, ist weder Regionalkrimi noch Inselromantik. Der Roman verbreitet trotz aller Spannung keine Gänsehaut, sondern eine große Ruhe und Entschleunigung. Kein Blut, fast keine Gewalt (gut, einen Faustschlag gibt es), dafür umso mehr Atmosphäre.
Die Handlung: An der Küste Northumberlands stoßen Urlauber auf ein Skelett in einer alten Schwimmweste. Diese führt zurück in eine stürmische Märznacht 1995, als der Seeschlepper Pollux sank und alle Besatzungsmitglieder gerettet wurden – bis auf den Kapitän. Seit dieser Nacht liegt der Deckmantel des Schweigens über dem Vorfall, doch er drückt schwer auf die Seele einzelner Seenotretter. Cupido will den Fall eigentlich abgeben – er ist gerade mit seiner eigenen Vergangenheit beschäftigt, dem mysteriösen Verschwinden seines Vaters auf See. Sein junger Kollege Xander Rimbach übernimmt, landet aber bald mit einer Vergiftung im Krankenhaus. Also muss Cupido doch ran.
Was diesen Roman (und die ganze Reihe) so besonders macht: Deen erzählt gewohnt souverän, weiträumig und aus wechselnden Perspektiven – ohne übermäßige Fixierung auf seinen Ermittler. Er beweist ein tolles Gespür für die Eigenheiten der friesischen Welt zwischen Texel und Flensburg. Man spürt die Weite der Nordsee, die Vergangenheit, die einen einholen kann, und wie eine Crew, die längst nicht mehr im Dienst ist, trotzdem zusammenhält und schweigt.
Liewe Cupido ist mittlerweile ein alter Bekannter – genauso wie Hündin Vos, Freundin Miriam und die anderen wiederkehrenden Figuren. Wer die Vorgänger „Der Holländer“ und „Der Taucher“ kennt, wird ihn noch mehr ins Herz schließen. Wer nicht – kein Problem, das Buch funktioniert auch als Quereinstieg.
Fazit: Wer Krimis mit hohem Tempo und Leichen im Akkord sucht, ist hier falsch. Wer sich dagegen gerne treiben lässt, Menschen beim Schweigen zuhört und eine Landschaft fast körperlich spüren möchte: unbedingt lesen.


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