Unter Wasser Nacht

Kristina Hauff
Unter Wasser Nacht
hanserblau 2021
286 Seiten
ISBN 978-3-446-26945-3
Aaron, der Sohn von Sophie und Thies, ist vor 13 Monaten in der Elbe ertrunken. Seitdem ist für beide nichts mehr wie zuvor. Zum Verlust kommen die merkwürdigen Umstände seines Todes – und die Tatsache, dass ihre besten Freunde mit ihrer Familie direkt nebenan wohnen, macht die Situation nicht gerade leichter. Sophie hält es kaum aus, täglich die scheinbar glückliche Familie ihrer Freundin vor Augen zu haben, während Thies sich immer weiter in sich selbst zurückzieht.
Dann taucht Mara auf. Sie ist auf der Suche nach einem Freund ihrer verstorbenen Mutter und bringt damit ungewollt etwas in Bewegung. Nach und nach kommen Dinge ans Licht, über die offenbar niemand sprechen möchte.
Erzählt wird aus den Perspektiven verschiedener Beteiligter. Dadurch bekommt man nach und nach Einblick in ihre Gedanken, Motive und Geheimnisse – und muss seine Einschätzung der Personen immer wieder ein wenig korrigieren. Die kurzen Kapitel sorgen dabei für ordentlich Tempo; stellenweise liest sich das Ganze fast wie ein psychologischer Krimi.
Besonders gut gefallen hat mir, wie genau Kristina Hauff die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Figuren beschreibt. Gleichzeitig war genau das für mich auch der Punkt, an dem ich immer wieder ins Grübeln kam. Manche Verhaltensweisen konnte ich trotz der angebotenen Erklärungen nicht wirklich nachvollziehen.
Sophie etwa wird als liebende und fürsorgliche Mutter beschrieben, bemerkt aber über ein Jahr lang nicht, dass es ihrer Tochter schlecht geht. Es gibt zwar eine Erklärung dafür, überzeugend fand ich sie allerdings nicht. Auch bei Sophie und Thies habe ich mich gefragt, warum ein akademisch gebildetes Paar in einer solchen Ausnahmesituation nicht besser in der Lage ist, sich Hilfe von außen zu holen. Einen Versuch gab es zwar – der wurde jedoch abgebrochen.
Und dann ist da noch Edith. Ihre Reaktion auf ihre Enkeltochter fand ich ausgesprochen hart und in dieser Form ziemlich überzogen. Gerade weil die Figuren ansonsten so ausführlich und differenziert dargestellt werden, haben mich diese Punkte beim Lesen immer wieder gestört.
Das klingt jetzt vermutlich nach ziemlich viel Gemäkel. 😉 Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen. Die Geschichte entwickelt einen Sog, die Perspektivwechsel funktionieren gut und es macht durchaus Spaß, Stück für Stück hinter die Fassaden der einzelnen Figuren zu schauen.
Wer über die eine oder andere für mich nicht ganz stimmige Entscheidung hinweglesen kann, bekommt einen spannenden, atmosphärischen Roman über Trauer, Schuld, Freundschaft und die Geheimnisse, die selbst engste Beziehungen aushalten müssen.
Mein Fazit: Trotz einiger Fragezeichen lesenswert – und stellenweise richtig spannend. 😊


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