Das falsche Leben

Maja Nielsen
Das falsche Leben
Gerstenberg 2025
189 Seiten
ISBN 978-3-8369-6355-8
1979, Hannover, ein Familienausflug, der keiner ist. Der Vater hat 22 Jahre lang für die Stasi spioniert, fliegt auf, und über Nacht sitzt die ganze Familie im falschen Land fest. Kein Krimi, keine Fiktion – Thomas Raufeisen hat das wirklich erlebt, und Maja Nielsen erzählt es so nah, dass man beim Lesen ständig vergisst, dass man selbst im Westen sitzt und jederzeit das Buch zuklappen kann. Micha, der ältere Bruder, brüllt sich durch halb Ost-Berlin, weil er einfach nur zurück will – zu seiner Freundin, zu seinem Leben. Der Rest der Familie schluckt, fügt sich, hofft. Und merkt Kapitel für Kapitel, wie eng die Räume werden, in denen man sich in diesem Staat noch bewegen darf.
Die kurzen Kapitel waren mein Rettungsanker. Diese Mischung aus Ohnmacht, Kontrolle und dieser leisen Bedrohung, die aus jedem Verhör, jedem Blick der Stasi-Offiziere spricht, ist auf Dauer schwer auszuhalten. Kein Buch, das mit großen Worten glänzen will – aber genau das macht es so stark. Ein Sechzehnjähriger erzählt sein eigenes, zerstörtes Leben, ohne Schnörkel, und das reicht völlig.


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