Mond gefangen in einem toten Auge

Pascal Garnier
Mond gefangen in einem toten Auge
Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn
Septime 2026
123 Seiten
ISBN 978-3-99120-080-2
Was auf den ersten 30 Seiten wie eine beschauliche Geschichte über den wohlverdienten Ruhestand beginnt, kippt bei Pascal Garnier auf gerade einmal 123 Seiten in einen waschechten Albtraum. Odette und Martial ziehen als Erste in die neue Seniorenresidenz „Les Conviviales“ in Südfrankreich. Bald gesellen sich Maxime und Marlène, die alleinstehende Léa sowie die Animateurin Nadine hinzu. Und dann ist da noch der unheimliche Hausmeister Monsieur Flesh, der vor ihren Augen eine streunende Katze mit einer Schaufel erschlägt – eine Szene, die einem im Kopf bleibt.
Garnier, der oft mit Georges Simenon verglichen wird und als König des französischen Roman noir gilt, seziert hier mit trockenem Humor und beklemmender Präzision, wie aus kleinen Nickligkeiten unter eng zusammengepferchten Menschen echte Abgründe werden. Man hat beim Lesen fast das Gefühl, einer sozialen Versuchsanordnung beizuwohnen, die außer Kontrolle gerät – näher an Sartres „Die Hölle, das sind die anderen“ als an gemütlicher Alterskrimi-Lektüre. Für mich ein Buch, das lange nachhallt, auch wenn (oder gerade weil) man es in einem Rutsch verschlingen kann. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung – nur bitte nicht kurz vor dem Einzug ins Betreute Wohnen lesen.


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