Tanz im Dunkel

Max Annas
Tanz im Dunkel
Suhrkamp 2025
238 Seiten
ISBN 978-3-518-47461-7
Ende 1959, Köln im Protestfieber: Die Straßen füllen sich mit Menschen, die gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik demonstrieren. Unter ihnen zwei junge Männer, kaum volljährig – Karl und Adi. Der Heimweg wird ihnen zum Verhängnis: Ein BMW rast durch eine enge Gasse, Karl stirbt sofort, Adi rennt um sein Leben, denn die Polizei ist für ihn alles andere als vertrauenswürdig.
Gemeinsam mit Gisela und Hagen versucht er herauszufinden, wem der mörderische Wagen gehört – und landet bei Alfred Salz. Sie folgen ihm, stolpern aber schnell in ein Geflecht aus alten Nazistrukturen und wachsender Gewaltbereitschaft. Gleichzeitig ist da Reinhard Clausen, der eigentlich anders heißt und einen sehr persönlichen Racheplan verfolgt. Und natürlich der Kriminalhauptkommissar Hartmann, der kurz vor der Pensionierung noch Fälle abbekommt, die keiner will – und trotzdem dranbleibt.
Der Roman braucht seine Anlaufzeit, aber das tut ihm gut: Man taucht vollständig ein in eine Zeit, in der Rock ’n’ Roll die Lebenslinien junger Leute bestimmt, es für alles einen passenden Song gibt (siehe Spotify-Playlist), und gleichzeitig die braunen Schatten noch überall in den Ecken sitzen. Annas schildert diese Atmosphäre so dicht, dass man meint, den Staub der Kneipen und das Grollen der Straßen zu riechen.
Zwischendrin gelingt ihm sogar Humor – eine Verfolgungsjagd, in der irgendwann niemand mehr weiß, wer eigentlich wem hinterherfährt, hat schon fast Slapstick-Potenzial. Doch am Ende explodiert alles in einem erstaunlich blutrünstigen Showdown, der beinahe an Shakespeare erinnert.
Ein Buch, das mich gepackt, überrascht und gleichzeitig klug an eine dunkle deutsche Realität erinnert hat. Großartig!


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