Hen Na E – Seltsame Bilder

Uketsu
Hen Na E – Seltsame Bilder
Aus dem Japanischen von Heike Patzschke
Lübbe 2025
269 Seiten
ISBN 978-3-7577-0116-1
Ein Krimi mit Bildern? Klingt erst mal nach Experiment — funktioniert hier aber erstaunlich gut. Hen Na E erzählt seine Geschichte in vier Abschnitten, von denen die ersten drei kaum miteinander zu tun zu haben scheinen. Unterschiedliche Figuren, unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Rätsel. Erst im letzten Teil zieht Uketsu alle Fäden zusammen und zeigt, wie perfekt die Teile ineinander greifen.
2014 stoßen zwei Studenten auf einen merkwürdig abgebrochenen Blog, der ein Verbrechen andeutet. Fünf Bilder stehen dabei im Mittelpunkt, kryptisch und unheimlich genug, um die beiden nicht mehr loszulassen. Parallel dazu begleitet man Naomi und den kleinen Yuta, der plötzlich verschwindet — und der Tag endet gleich mit zwei Überraschungen, die man so nicht kommen sieht. Und schließlich zurück ins Jahr 1995: Der Mord an einem Kunstlehrer ist drei Jahre alt, offiziell ungelöst. Ein ehemaliger Schüler rollt den Fall jedoch noch einmal auf und setzt damit eine gefährliche Kettenreaktion in Gang. Auch hier spielen Zeichnungen eine bemerkenswerte Rolle.
Der Einstieg wirkt eher ruhig, doch ein leises Unbehagen wabert immer mit. Spätestens ab dem Ende des zweiten Abschnitts zieht das Tempo deutlich an — bei mir führte das zu »einmal rein, nicht mehr raus, komplett durchlesen«. Die Hinweise auf die Lösung sind vorhanden, aber extrem subtil. Wer sie beim ersten Lesen nicht alle findet: völlig normal. Das Buch schreit quasi nach einer zweiten Runde. Die Illustrationen lockern das Ganze auf und sind zugleich Teil des Rätsels. Die Sprache bleibt schlicht, das Lesen geht schnell, aber die Wirkung hält wunderbar nach.
Unterm Strich: ein ungewöhnlicher und abwechslungsreicher Krimi.


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