Ahmadjan und der Wiedehopf

Maren und Ahmadjan Amini
Ahmadjan und der Wiedehopf
Carlsen Comics 2024
239 Seiten
ISBN 978-3-551-79971-5
Ich habe ein Faible für Graphic Novels – altersunabhängig. Was mir allerdings regelmäßig Bauchschmerzen bereitet, sind Werke, die unbedingt „für alle“ sein wollen. Meist endet das im Niemandsland. So leider auch hier.
„Ahmadjan und der Wiedehopf“ ist die Lebensgeschichte von Ahmadjan Amini, gemeinsam mit seiner Tochter Maren umgesetzt. Text und Zeichnungen stammen überwiegend von ihr; von ihm selbst sind einzelne künstlerische Arbeiten eingebunden, die für mich zu den stärksten Momenten des Buches zählen.
Aufgewachsen in Afghanistan, verlässt Ahmadjan als junger Mann seine Heimat und taucht in das westliche Leben ein. Reisen, Freiheit, Genuss. Doch als sein Aufenthaltsstatus endet, wird er zur Rückkehr gezwungen – in ein Land, das ihm inzwischen fremd geworden ist.
Strukturiert wird diese Biografie entlang der persischen Mystik „Die Konferenz der Vögel“ von Fariduddin Attar (1136–1220). Ein anspruchsvoller Bezug, der ohne Vorwissen schwer zugänglich ist – nicht nur für Jugendliche oder Kinder, sondern auch für Erwachsene. Der knappe, teils kindlich wirkende Textstil verstärkt diese Schieflage, da er mit den behandelten Themen kaum harmoniert.
Visuell dominiert Schwarz-Weiß, Figuren werden praktisch nur über einzelne Merkmale identifizierbar gemacht. Die kleineren Panels lesen sich schnell weg, während die großformatigen, farbigen Bilder eine ganz andere Wucht entfalten und fast malerisch wirken. Hier scheint Ahmadjans eigener künstlerischer Ausdruck besonders durch.
Es ist ein beeindruckendes Buch – aber kein rundes. Der reduzierte Zeichenstil und die kindliche Sprache stehen für mich quer zu den schweren, politischen und existenziellen Themen. Das ergibt kein stimmiges Ganzes.
Für Kinder ist dieses Buch ungeeignet. Für Jugendliche und Erwachsene kann es interessant sein – sofern man eine gewisse Offenheit für Mystik mitbringt 😉


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