Lebensversicherung

Kathrin Bach
Lebensversicherung
edition AZUR 2025
237 Seiten
ISBN 978-3-942375-72-6
Kathrin Bach hat ein ungewöhnliches Buch geschrieben – weniger einen Roman als einen dokumentarischen Bericht. Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie, gegliedert nach Versicherungsarten, die zu Beginn jedes Abschnitts sachlich erklärt werden. Der Hintergrund: Ihre Eltern betrieben in einem kleinen Dorf zwischen Limburg und Wiesbaden eine Generalagentur für eine Versicherungsgesellschaft. Dort wuchs Kathrin Bach in den 1990er-Jahren auf. Da rund 90 % der Dorfbewohner*innen bei ihren Eltern versichert waren, wussten diese praktisch alles über die Menschen im Ort. Umgekehrt war auch ihr eigenes Leben nahezu vollständig mit der Arbeit verknüpft: Jedes zufällige Treffen mit Einheimischen führte früher oder später zu einem Gespräch über Versicherungen – Wann kommt mein Geld? Ich habe da ein Problem … Gibt es da eine Möglichkeit?
Die Autorin selbst ist seit ihrem dritten Lebensjahr von Angst geprägt, die sich in körperlichem Unwohlsein in unterschiedlichen Ausprägungen äußert. Obwohl sie – ebenso wie ihre Eltern – durch deren Tätigkeit in nahezu allen Lebensbereichen bestens abgesichert ist, bleibt die Angst ein ständiger Begleiter. Und in gewisser Weise ist sie berechtigt: Auch die besten Versicherungen schützen selbst ihre Familie nicht vor Unglück, sie können es höchstens abmildern. Erst als Erwachsene gelingt es ihr mithilfe einer Therapeutin, einen Umgang mit dieser Angst zu finden.
Kathrin Bach erzählt in einem nüchtern-sachlichen Ton, sodass das Buch eher wie eine Dokumentation wirkt als wie ein klassischer Roman. Die Kapitel sind meist knapp gehalten, teilweise bestehen sie nur aus Aufzählungen oder Listen: Arztserien, die die Familie schaut, der Inhalt ihres ZIP-Beutels, Speisen, die die Autorin wieder ausgekotzt hat. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – dieses Stils liest sich das Buch überraschend unterhaltsam, denn der sachliche Ton steht oft im starken Kontrast zum Inhalt. Zusätzlich trägt vermutlich auch dazu bei, dass vielen Lesenden manches bekannt vorkommt, was die Autorin beschreibt. Alles in allem ist Lebensversicherungen ein ungewöhnliches, aber durchaus unterhaltsames Buch.


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