Minnesota

Holger Rudi, ein norwegischer Autor, reist 2022 nach Minneapolis, um für sein neues Buch zu recherchieren. Im Zentrum steht ein Serienmörder, der sechs Jahre zuvor einen Rachefeldzug gegen Drogenbosse und Waffenhändler führte. Der damalige Ermittler Bob Oz, privat schwer angeschlagen und mit deutlichem Aggressionsproblem, nimmt die Jagd auf den Täter sehr persönlich.
Um die Ereignisse möglichst authentisch darzustellen, versetzt sich Holger Rudi vor Ort in die Köpfe beider Hauptfiguren und lässt sie selbst erzählen. Ein ungewöhnlicher Kniff: ein Buch, das ein Buch erzählt. Der Einstieg wirkt zunächst etwas zäh, da lange unklar bleibt, wohin die Geschichte steuert.
Der Roman ist fest im realen Hintergrund verankert: Corona-Pandemie, der Tod von George Floyd, die folgenden Unruhen, zunehmende Armut. Vordergründig geht es um die Jagd auf einen Serienmörder, doch gleichzeitig wird überzeugend gezeigt, wie Bob Oz zu dem wurde, der er ist – vom liebenden Familienvater zum aggressiven, selbsthassenden Cop, der zu viel trinkt.
Wie so oft bei Jo Nesbø gibt es zahlreiche Überraschungen. Hinweise sind durchaus vorhanden, aber meist erkennt man sie erst beim zweiten Lesen. Und wie das wahre Leben selbst kennt auch dieses Buch kein klares Schwarz oder Weiß. Wer ist Opfer, wer Täter? Was richten die Waffengesetze der USA in den Menschen und in der Gesellschaft an? Am Ende stellt man sich unweigerlich die Frage: Wie hätte ich selbst gehandelt?
Ein spannender Krimi, der nachwirkt – und durchaus ein zweites Lesen verdient.


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