Die Kurve

Dirk Schmidt
Die Kurve
Suhrkamp 2025
275 Seiten
ISBN 978-3-518-47480-8
Carl ist ein ungemein faszinierender Typ: Einerseits spürt man den ehemaligen Sozialarbeiter in ihm – hilfsbereit, großzügig und mit einem echten Gespür für die Abgehängten. Andererseits leitet er eine Agentur für illegale Dienstleistungen, die er so eiskalt und präzise koordiniert wie ein Buchhalter. Diese Ambivalenz trägt den gesamten Roman; Schmidt verweigert uns eine einfache moralische Einordnung seiner Hauptfigur. Und das ist gut so, denn alles andere wäre dem Stoff nicht gerecht geworden.
Die eigentlichen Kriminalfälle – der Tod einer amerikanischen Jugendlichen und die Ankunft eines italienischen Obermafioso – verkommen fast zur Nebensache. Das wahre Zentrum des Buches ist Carl und sein Team: Ridley, Betty und Wheelmaker. Zwei von ihnen stammen aus Carls früherer Jugendeinrichtung „Die Kurve“. Ihre Biografien spiegeln die deutsche Unterschicht in ihrer härtesten Realität wider – vom Autor ohne jede Rührseligkeit, aber mit spürbarer Empathie und ohne falsche Distanz gezeichnet.
Getragen wird das Ganze von Schmidts unverkennbarem Sound: Die Sprache ist eigenwillig, tief ironisch, oft rabenschwarz und phasenweise von einer kompromisslosen Brutalität. Sicher kein Buch für einen gemütlichen Sonntagnachmittag, aber genau der richtige Stoff für alle, die abseits der klassischen Ermittler-Klischees nach einem Noir-Krimi mit echten Kanten suchen.


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