Hotel Paraíso

Arezu Weitholz
Hotel Paraíso
mare 2024
169 Seiten
ISBN 978-3-86648-744-4
Es passiert nicht viel in diesem Buch. Oder eigentlich: gar nichts. Frieda, Mitte fünfzig und Synchronsprecherin, verliert von jetzt auf gleich ihre Stimme. Organisch ist alles bestens, die Diagnose lautet Stress. Frieda braucht eine Auszeit und hütet über den Jahreswechsel ein leeres Boutiquehotel an der portugiesischen Algarve.
Dort ist sie dann: mit Hotelhund Otto, dem Atlantik als eigener Hauptfigur und viel Raum zum Loslassen. Das leere Hotel öffnet eine Schleuse. Da ist die Frustration über ihre Arbeit, das zunehmende Tempo und die Oberflächlichkeit im Beruf – Frieda mag Menschen, aber ohne dieses leere Gerede. Und da sind die Erinnerungen an die niedersächsische Provinz der Siebzigerjahre. Frieda sah anders aus als ihre Familie; man starrte sie an, ohne Worte dafür zu haben. Dass der Roman autofiktionale Züge trägt, spürt man in jeder Zeile: Die Autorin Arezu Weitholz wurde selbst adoptiert und wuchs als „Palme im Flachland“ in einem deutschen Dorf auf. Dieses leise, dauernde Gefühl des „Dazwischen-Seins“, das Dazugehören-Wollen und doch nicht ganz Dazugehören zieht sich durch das ganze Buch – und die Frage, ob dieses Dazwischen vielleicht auch ein Zuhause sein kann.
Weitholz schreibt in einem überraschenden Ton zwischen Umgangssprache und Poesie. Wenn ein freier Tag ein „watteweiches Nichts“ ist oder Frieda sich fragt, wie wohl ein „sinnvoller Tod“ aussieht, möchte man sich die Sätze am liebsten alle anstreichen. Ich bin Friedas ungefilterten Gedanken unglaublich gern gefolgt. Wer Spannung und Action sucht, wird enttäuscht sein. Wer sich aber darauf einlässt, Frieda einfach beim Denken zuzuschauen, bekommt ein Buch, das einen entschleunigt und mit seiner Sprache überrascht. Mir hat es gut gefallen!


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