Single Mom Supper Club

Jacinta Nandi
Single Mom Supper Club
Rowohlt 2025
316 Seiten
ISBN 978-3-498-00719-5
Das Thema klang vielversprechend: alleinerziehende Mütter in Berlin, die sich zusammentun, Freundschaften schließen, den Alltag gemeinsam stemmen. Was daraus geworden ist, hat mich ehrlich gesagt fassungslos zurückgelassen. Nicht fassungslos im Sinne von „zu anspruchsvoll“ – sondern fassungslos im Sinne von: Wie hat dieses Buch die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 erreicht? Hat die Jury dasselbe Buch gelesen wie ich?
Die Figuren sind keine Menschen, sondern Pappaufsteller. Die deutschen Moms sind wahlweise strunzdumme koksende Influencerinnen oder Nazis – letzteres gilt in diesem Buch übrigens pauschal für alle Deutschen, keine Ausnahmen. Die britischen Moms sind genauso flach, aber immerhin sympathischer gemeint: weniger erfolgreich beim Koksen, dafür umso aktiver im Bett. Was alle Figuren eint: Sie finden Deutschland unerträglich. Warum sie trotzdem sämtlich in Berlin wohnen bleiben, erklärt der Roman zu keinem Zeitpunkt. Vermutlich weil die Autorin die Antwort selbst nicht kennt.
Der Humor, den ich erwartet hatte – britisch, trocken, selbstironisch – existiert in diesem Buch schlicht nicht. Stattdessen gibt es Dialoge, in denen Figuren ernsthaft und unironisch darüber philosophieren, dass Ostdeutsche Drogen nehmen, weil das „ihr Hobby auf dem Land“ sei. Das ist kein Witz. Das ist keine Satire. Das ist Herablassung, die sich für Komödie hält. Ich habe das Buch beendet – aber ich bereue es ein bisschen.


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