Herzlich schräg und nicht ganz ernst zu nehmen

Cover Der wilde Detektiv von Jonathan Lethem

Jonatham Lethem
Der wilde Detektiv
Übersetzt von Ulrich Blumenbach
Tropen 2019
335 Seiten
ISBN 978-3-608-50385-2

Was für eine kuriose Geschichte, in der so ziemlich alle gängigen Genres durcheinander gewürfelt sind: Krimi, Dystopie, Liebesgeschichte, Abenteuerroman – für alle ist etwas dabei 😉

Nach Trumps Wahlsieg kündigt Phoebe Siegler voller Entsetzen ihren gut bezahlten Medienjob in New York und macht sich für ihre Freundin auf die Suche nach deren verschwundener Teenagertochter. Am Rand der kalifornischen Wüste trifft sie den ‚wilden‘ Detektiv, der sie unterstützt und in den sich Phoebe verliebt. Ihre Nachforschungen führen die Beiden auf einen geheimnisvollen Berg, auf dem mysteriöse Dinge geschehen; in einen Schwemmkessel, wo die Ärmsten der Armen hausen; in die Wüste, wo der Stamm der Kaninchen in Einklang mit der Natur lebt und die Bären sich in anarcho-machohafter Weise düsteren Dystopiephantasien hingeben.

Das klingt chaotisch und etwas wirr? Das ist es auch, wozu der Erzählstil der leicht neurotischen New Yorkerin Phoebe das Seine dazu beiträgt. Sie springt nicht nur zwischen den Zeiten (wobei sich das in Maßen hält), sondern entwickelt auch gelegentlich Gedankengänge, die nicht immer leicht nachzuvollziehen sind. Ihren Zorn über die Wahl Trumps lässt sie immer wieder freien Lauf, während ihr Umfeld häufig keine Ahnung hat, wovon sie redet (und ich manchmal auch nicht ;-)). Zudem gibt es vergleichsweise viele Verweise auf zumeist US-Amerikanische ZeitgenossInnen, die unsereins (ok, mir) nicht immer geläufig waren. Vermutlich verliert das Buch so an manchem Witz, aber ich habe mich trotzdem hin und wieder gut amüsiert:

„‚Was ist ein Downer?‘ – ‚Ein kranker Bär.‘ – ‚Und was macht ihr mit dem?‘ – ‚Wir pflegen ihn natürlich gesund. Wenns ihm dann besser geht, können wir ihn umbringen.'“

Es passiert eine Menge in dieser Geschichte; es gibt Tote, geheimnisvolle Asiaten, ein König soll gekrönt werden – aber nichts wird wirklich aufgeklärt. Ob es da einen Teil 2 geben wird? Oder entspricht es einfach dem Durcheinander, das in diesem Buch Programm ist?
Erwähnenswert ist in jedem Fall die außergewöhnliche Sprache des Autors, die für den Übersetzer vermutlich Schwerstarbeit bedeutete (meine Hochachtung!):

„… die Bäume wurden seltener, das Wüstengestrüpp tüpfelte den staubigen, geschundenen Boden mit der Kraftlosigkeit von Achselhöhlengrün oder Teenagerschamhaaren.“

Fünfzig Seiten hat es ca. gebraucht und dann hatte mich das Buch in seinem Bann 😉 Etwas weniger Chaos wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, aber nichtsdestotrotz hat es mich gut unterhalten.

Krimibestenliste Februar 2019 und März 2019

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