Wachs

Christine Wunnicke
Wachs
Berenberg 2025
186 Seiten
ISBN 978-3-911327-03-9
Im Frankreich des 18. Jahrhunderts kämpfen zwei außergewöhnliche Frauen um ihren Platz in einer Welt, die für sie keinen vorgesehen hat: Marie Biheron, Anatomin und Meisterin der Wachsnachbildung, und Madeleine Basseporte, Zeichnerin am königlichen Hof. Beide sind Könnerinnen ihres Fachs — und beide werden von der männlich dominierten Wissenschaftswelt systematisch ignoriert, belächelt oder vereinnahmt.
Christiane Wunnicke erzählt ihre Geschichte in einer dichten, oft absurd-komischen Prosa, die zwischen Anatomiesälen und Ateliers, zwischen Kadavern und Kunstwerken pendelt. Zeitsprünge und Perspektivwechsel machen das Lesen zur kleinen Herausforderung — und zum großen Vergnügen.
Die Sprache ist das Herzstück dieses Romans. Präzise, ironisch, von altertümlichem Klang — und dabei nie angestaubt. Die Dialoge sind oft absurd, manchmal geradezu komödiantisch — und gerade darin liegt ihre Schärfe. Wenn Männer über Frauen reden, die ihnen fachlich überlegen sind, ohne es zu merken, dann entlarvt das mehr als jede Abhandlung.
„Wachs“ ist ein feministischer Roman — aber keiner, der mit dem Holzhammer arbeitet. Die Selbstermächtigung von Marie und Madeleine wird nicht ausgerufen, sie wird gezeigt: in ihrer Hartnäckigkeit, in ihrer Neugier, in ihrem Beharren auf Wissen und Würde trotz aller Widerstände.
Was mich dabei besonders berührt hat: Der Roman romantisiert nichts. Die beiden Frauen sind keine Heldinnen im klassischen Sinn, keine Märtyrerinnen. Sie sind Profis, die ihre Arbeit lieben — und die dafür einen Preis zahlen, den ihre männlichen Kollegen sich nie hätten vorstellen müssen.
Auf knapp 192 Seiten steckt in diesem Buch mehr Gehalt als in manchem Roman dreifacher Länge. Es ist eine Geschichte die nachwirkt, mit Figuren, die im Gedächtnis bleiben, und mit einer Sprache, die man so schnell nicht vergisst.


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