Verschlagwortet: Tod

Unter Toten

Robert Seethaler
Das Feld
Hanser 2018
240 Seiten
ISBN 978-3-446-26038-2

Die Geschichten der Toten des Feldes, des Friedhofes des kleinen Städtchens, sind wie ein Palimpsest. Denn die neuen Toten werden auf den alten begraben (‚Man rutscht ab mit der Zeit‘, S. 99) und erzählen dann ihre Geschichten – und damit so ganz nebenbei auch die Geschichte ihrer Stadt. Sie handeln von den Dramen des Lebens wie auch vom kleinen Glück, das für den Einzelnen nicht selten das große ist. Liebe, Tod, Glück und Tragik liegen nah beieinander, nicht selten auch im selben Haus. Manche stellen sich ihren Lebenslügen, andere halten selbst im Tod noch daran fest – wie die Menschen eben sind. Schön ist die Verbundenheit einiger Figuren, die bei manchen enger (beispielsweise als Paar), bei anderen nur lose besteht. Auf diese Weise erlebt man beim Lesen immer wieder eine unterschiedliche Sicht auf dasselbe Geschehen, was immer wieder faszinierend ist.

Es ist ein Buch, das unglaublich die Phantasie anregt, denn Vieles wird nur angedeutet. Jedoch stets in einem Maße, das ausreicht, um eine Vorstellung zu vermitteln und schon beginnen die eigenen Gedanken eigene Wege zu gehen. Der Postbote – welches Drama spielt sich bei ihm daheim ab? Mit wem sitzt die Witwe auf der Terrasse? Was war Buxters letzte Tat? Es gibt mehr Fragen als Antworten, aber das macht auch den Reiz dieses Buches aus.

Doch mit einer Sache haderte ich: Der Tonfall war für alle Toten annähernd gleich. Ob ein Kind oder eine alte Frau erzählen – die Unterschiede sind marginal und fallen kaum ins Gewicht. So wird es schwer, die einzelnen Stimmen als Person im Gedächtnis zu behalten, es sind die Geschichten, die sich einem einprägen müssen.
Dennoch eine schöne Lektüre mit viel Raum für die eigene Phantasie.

Aber das Leben geht weiter

Cover Die besten Beerdigungen der Welt von Ulf Nilsson und Eva Eriksson

Ulf Nilsson, Eva Eriksson
Die besten Beerdigungen der Welt
Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke
BELTZ & Gelberg 2012
36 Seiten
ISBN 978-3-407-76114-9

Wie bringt man Kindern bei, was der Tod bedeutet? Vielleicht mit diesem wundervollen Büchlein, das gerade mal knapp 40 Seiten umfasst. Drei Kindern, ca. 4, 6 und 8 Jahre alt, ist es langweilig, bis sie auf die Idee kommen, Tiere zu beerdigen. Eine tote Hummel ist die erste Begrabene. Ester, die Älteste, gräbt das Loch, der Ich-Erzähler schreibt ein Gedicht („Ein kleines Leben in der Hand, plötzlich weg, tief, tief im Sand“) und Putte, Esters kleiner Bruder, ist für das Weinen zuständig. Sie säen Samen von Blumen aus und stellen auch ein Kreuz auf. Völlig begeistert von der Idee machen sie sich auf die Suche nach weiteren Toten und werden auch schon bald fündig: Mäuse aus der Falle, ein überfahrenes Kaninchen, ein Hamster aus der Nachbarschaft, drei tote Heringe aus dem Kühlschrank und eine Amsel, die vor ihren Augen stirbt. Bevor sie begraben werden, werden sie noch getauft auf so schöne Namen wie Paula Antonia oder Schweinchen Dick.

Die Drei gehen so unverkrampft mit dem Tod um, dass es eine wahre Freude ist. Selbst der kleine Putte, der zuvor noch überhaupt keine Ahnung hatte und erst einmal weint als er zu verstehen beginnt, ist halbwegs getröstet, als Ester ihm versichert, dass er erst als alter Mann sterben muss (und dann auch seine Kuscheldecke, Teddy, Kekse, Saft und Kuchen mitnehmen darf).

Auch die Bilder sind wunderschön. Alles ist sehr farbenfroh und zart gezeichnet und die Charaktere der Kinder sind toll wiedergegeben. Ein kleines Büchlein zum Lachen und Freuen mit einem ernsten Thema – einfach klasse!