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Ein Jugendbuch, das Mut machen will

Hank Green
Ein wirklich erstaunliches Ding

Aus dem amerikanischem Englisch von Katarina Ganslandt
dtv Verlagsgesellschaft, bold 2019

448 Seiten
ISBN 978-3-423-79040-6

Mitten in der Nacht entdeckt die Hauptperson und Ich-Erzählerin April im Zentrum New Yorks plötzlich eine riesige metallische Roboterstatue. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Andy macht sie ein Video, sie stellen es ins Netz und gehen schlafen. Als April am nächsten Mittag erwacht, ist sie bereits ein Star: die junge Frau und Carl, die Statue, die auch in 63 weiteren Städten weltweit aufgetaucht ist. Fortan hat sie eine Mission, die sie versucht der Welt zu vermitteln: Wer immer Carl ist, er ist friedlich und will nur das Beste für die Menschen. Doch bald gibt es Gegner und als Carl ungewöhnliche Dinge bewirkt, werden die Dispute immer gefährlicher, nicht nur für April.

Auch wenn es nirgendwo auf dem Buch vermerkt ist (zumindest habe ich nichts gefunden), es ist ein Jugendbuch. Die Protagonistin ist 23 Jahre alt und hat den für ihr Alter (vielleicht eher etwas jünger) flapsigen Ton, den ich zu Beginn recht erfrischend und amüsant fand. Doch nach ca. 250 Seiten wiederholt sich so Manches einfach zu häufig, sodass ich begann, gewisse Ermüdungserscheinungen zu entwickeln. Was aber durchaus damit zu tun haben könnte, dass ich schlicht nicht die Zielgruppe dieser Lektüre bin 😉 Auch die Verhaltensweisen von April und ihren FreundInnen entsprechen sicherlich dem Bild, was man sich von VertreterInnen dieser Altersgruppe aktuell macht: schlecht bezahltes Arbeiten in einem der unzähligen Startups; idealistisch, aber auch nicht zu sehr; konsumkritisch, doch nicht abgeneigt; und selbst Minderheiten und ihre Schwierigkeiten finden Erwähnung.

Die Geschichte selbst ist mehr unterhaltsam als spannend und zeigt mir etwas zu oft, wie ich finde, den erhobenen Zeigefinger. Schnell wird deutlich, dass es in diesem Buch um die Spaltung der Gesellschaft geht, wie sie sich aktuell in vielen Staaten zeigt, insbesondere in den USA. Immer wieder wird unmissverständlich dargestellt, wie wichtig und von welchem Vorteil es ist, wenn die Menschen gemeinsam und nicht gegeneinander ihre Ziele verfolgen. Vielleicht ist es in einem Jugendbuch notwendig, dies mehrfach zu wiederholen. Als erwachsene Leserin ging es mir irgendwann jedoch auf die Nerven.

Nichtsdestotrotz: die Geschichte hat ihren Reiz und ich als Nichtzielgruppenmitglied würde gerne wissen, wie es weitergeht. Denn bei solch einem Cliffhanger muss ja ein zweiter Band folgen.

Viel Flora und Fauna – und mittendrin ein untypischer britischer Oxford-Gelehrter

Cover Redmonds Dschungelbuch von Redmond O'Hanlon

Redmond O’Hanlon
Redmonds Dschungelbuch

Aus dem Englischen von Meinhard Büning
dtv 1998
410 Seiten
ISBN 978-3-423-08456-7

Um ehrlich zu sein: Ich hatte mir dieses Buch anders vorgestellt. Beeinflusst durch die ersten Seiten und den Umschlagtext erwartete ich ein durchweg zum Brüllen komisches Buch mit ein bisschen Dschungel drumrum. Stattdessen endloser Dschungel und noch mehr Vögel mit witzigen Stellen zwischendrin. Was die Qualität dieses Buches aber nicht mindert.
Redmond, ein britischer Oxford-Gelehrter startet eine Expedition in Venezuela, um die bisher noch nicht entdeckte Flussverbindung zwischen Rio Negro und dem Orinoko zu finden. Es begleitet ihn sein Freund Simon und mehrere Einheimische, die ihm ein venezolanischer Abenteurer vermittelt hat. Nachdem das Unternehmen nach vielen Strapazen scheitert, entschließt Redmond sich auf die Suche nach den Yanomami zu machen, die größte unberührte Indianergruppe im Regenwald, die durch ihre enorme Aggressivität berühmt-berüchtigt ist.

Für einen britischen Gelehrten, dazu noch aus Oxford, ist das Buch vermutlich recht ungewöhnlich. Keine Spur von Vornehmheit, Snobismus oder ähnlichen Eigenarten, die gemäß diverser Vorurteile die Menschen der britischen Inseln auszeichnen. Statt dessen rülpst, scheisst und rotzt Redmond mit den Einheimischen um die Wette, sehr zum Entsetzen seines Freundes Simon, der sich als der wahre Snob entpuppt. Entnervt und frustriert von den Qualen der Fahrt (Myriaden von bissigen kleinen schwarzen Fliegen, Delikatessen wie Piranhas, Tapirspeck, Affenschenkel usw., ständig kreischenden und krakeelenden Vögeln und Fröschen u.v.m.) bricht dieser die Reise nach dem ersten Teil ab.

Redmond selbst ist mit Leib und Seele dabei, für ihn erfüllt sich mit dieser Expedition ein Kindheitstraum. Er beschreibt mit unverhohlener Begeisterung alles, was ihm über den Weg kreucht und fleucht und wer etwas Interesse für Flora und Fauna aufbringt, wird dieses Buch mit Freude lesen. Die dazwischen immer wieder eingebundenen Auszüge historischer Reiseberichte geben zusätzliche Informationen.

All dies, zusammen mit den amüsanten Schilderungen Redmonds, ergeben ein rundum gelungenes Buch aus dem man zudem noch eine Menge lernen kann. Vier Punkte gibt es deshalb ’nur‘, weil es für mich persönlich etwas zu viel Flora und Fauna war.